Archiv für Februar 2012

planetwaltari.de nach 13 Jahren offline, weil Fan-Seiten out sind

Am 23. März 1999 habe ich eine Website über meine damalige Lieblingsband Waltari ins Netz gestellt. Nach fast 13 Jahren habe ich dieser Website ihren Todesstoß gegeben. Seit einigen Tagen ist eine Platzhalter-Seite online, welche kurz meine Gründe dafür beschreibt. In diesem Blog-Beitrag will ich etwas detaillierter auf die Gründe eingehen.

1999 war noch eine ganz andere Zeit. Damals hatten etwa 17% der Bevölkerung Internetzugang und die meisten konnten sich unter Internet noch überhaupt nichts vorstellen. Das Internet war damals noch ganz anders wie heute. Es gab noch keine Social Networks wie Facebook und auch Wikipedia gab es noch nicht, aber das Ur-Napster gab es damals noch mit dem man kostenlos, wenn auch nicht unbedingt legal, Musik tauschen konnte. Top-Level-Domains waren damals noch so teuer, dass man sie sich nicht leisten konnte. Stattdessen hatte man eine elendslange URL, die sich keiner merken konnte oder nutzte come.to, einem Short-URL-Dienst der ersten Stunde. Ich nutzte damals http://fly.to/planet.waltari. Hosten tat man bei diversen Gratis-Anbietern wie geocities oder tripod. Wenn ihr diese Dienste noch kennt, dann dürft ihr euch wohl Interneturgestein nennen!
Da damals viele Unternehmen und Stars die Möglichkeiten des Internets noch nicht erkannt hatten, kamen die meisten Inhalte damals von Privatleuten. Wenn es zum Beispiel zu einer Band keine offizielle Seite gab, was heute nahezu undenkbar ist, dann hat irgendein Fan dazu eine gemacht. Wenn man die Fan-Seite gut fand, dann teilte man der Person das einfach mit, indem man eine E-Mail schrieb. Denn damals konnte man sich noch den Luxus leisten unverblümt und ohne Spamschutz eine E-Mail-Adresse im Netz zu veröffentlichen. Heute drückt man sein Wohlgefallen über eine Webseite wohl eher dadurch aus, dass man auf einen Like-Button klickt. Eine E-Mail machte das ganze persönlicher.

Zwar gehörten Waltari bereits 1999 zu den wenigen, die über eine offizielle Homepage verfügten, aber deren Webmaster war damals verschollen. Darum versorgte Pekka Rahkonen, langjähriger Manager der Band, die Fanpages mit News. In den Anfangstagen hatte ich also regelmäßig Neuigkeiten, die ich veröffentlichen konnte. Mein Engagement wurde mir von Waltari dadurch gedankt, dass ich bei ihrem 1999er Album mit “Planet Waltari Netpages” in der obligatorischen Dankesliste erwähnt wurde. Außerdem hat Pekka es mir zweimal ermöglicht, die Band backstage zu treffen. Und nicht zu vergessen hat er mir ein von allen Bandmitgliedern signiertes Exemplar der streng limitieren Schallplatte “Back To Persepolis” geschickt. (Ich schreibe deshalb Schallplatte, weil das Album tatsächlich nur auf Vinyl-Schallplatte erschienen ist.) Ich habe also sehr davon profitiert, Planet Waltari ins Leben gerufen zu haben.

Aber dann hat die damalige Plattenfirma von Waltari waltari.de zur offiziellen Homepage von Waltari ernannt und deren Betreiber wurde exklusiv mit News versorgt. Zwar habe ich die folgenden Jahre meistens auch noch vor der öffentlichen Ankündigung erfahren, wann das neue Album raus kommt oder das Waltari gerade im Studio sind, aber ich durfte es nicht publik machen bevor es nicht auf der öffentlichen Homepage war. Das heißt ich hatte plötzlich keine exklusiven News mehr sonder nur noch recycelte. Das minderte natürlich auch das Interesse an der Seite.

Tja, und im Laufe der Jahre änderte sich das Internet. Irgendwann hatten alle eine offizielle Homepage und die persönlichen Homepages und Fan-Seiten wurden belächelt. Es war plötzlich einfach nicht mehr schick. Wenn man noch ernst genommen werden wollte, brauchte man eine Top-Level-Domain, d.h. man musste Geld ausgeben dafür, was es vielen dann nicht mehr wert war, und einen professionellen Auftritt. Eine mit Frontpage erstellte Webseite reichte da nicht mehr aus.
Einige haben überlebt, aber mal unter uns: Die sind doch meistens echt mies! (Von der Kritik nehme ich Planet Waltari jetzt gar nicht aus. Die letzten Jahre war es nämlich genau das: echt mies!) Und wenn man sich heutzutage über eine Band informieren möchte, dann schaut man entweder, ob sie eine Facebook-Seite hat oder liest den Artikel auf Wikipedia über sie. Der Waltari-Artikel auf Wikipedia  infomiert über alles, was man über die Band wissen muss. Ich könnte dem nix mehr hinzufügen! Alles Faktoren, die dagegen sprechen, die Webseite weiter zu betreiben.

Die Seite war sowieso schon seit Jahren nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Das letzte Album in der Diskografie war das 2007er Release Date. Die späteren Alben habe ich nicht mehr hinzugefügt.  Die Seite war zuletzt in einem desolaten Zustand, was vor allem daran lag, dass ich die Seite nicht an die Serveraktualisierungen, die ich für andere Webprojekte, die mir wichtiger waren, wie dieser Blog, brauchte, angepasst habe. Es hätte ein kompletter Relaunch her gemusst. Jahrelang hatte ich auch einen Relaunch geplant, aber nie fertig gestellt. Einerseits, weil ich ich die Webseite sowieso nicht mehr als wichtig genug aus zuvor genannten Gründen ansah und andererseits, weil ich mittlerweile hauptberuflich als Web-Entwickler arbeite. Da will man in seiner Freizeit nicht unbedingt weiter Webseiten entwickeln, sondern auch einmal etwas anderes machen. Mittlerweile muss ich mir auch eingestehen, dass ich dazu keine Lust habe. Um meinen einleitenden Satz wieder aufzugreifen: Ich bin inzwischen auch nicht mehr so passionierter Waltari-Fan wie ich das früher einmal war. Sie gehören zwar immer noch zu meinen Lieblingsbands, aber von den letzten drei Veröffentlichten war ich echt herbe enttäuscht. Ich bin einfach nicht mehr so großer Fan, dass ich Luste habe, meine Freizeit für sie aufzuwenden, außer natürlich damit ihre Musik zu hören.
Schließlich habe ich der bitteren Realität ins Auge geblickt und entschlossen, dass das einzig richtige ist, die Webseite offline zu stellen. Der desolate Zustand würde am Ende nur negativ auf meine andere Arbeit zurück fallen.

Die Domain planetwaltari.de wird für eine Übergangszeit noch bestehen bleiben. Zu viel Mailverkehr fließt einfach darüber. Die alternativen Domains waltari.eu und waltari.info leite ich für eine Übergangszeit auf die offizielle Seite um. Ich lasse mich noch bequatschen. Wenn ihr der Meinung seid, dass ich die Webseite weiter betreiben soll, dann schreibt ein Kommentar mit ein paar guten Gründen.

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“Herr Mayor, Sie sind kein Major!,” sprach der Meier

Wer in dem sozialen Netzwerk Foursquare  registriert ist, dem ist der Status “Mayor” ein Begriff und kann gleich zum nächsten Absatz springen. Für alle anderen eine kurze Erklärung, was Foursquare ist und was es mit dem Mayor auf sich hat. Foursquare ist ein soziales Netzwerk, bei dem man seinen aktuellen Standort mit anderen teilt – das nennt man einchecken. Wer häufig am selben Ort eincheckt, dem weißt Foursquare den Status “Mayor” zu.

Immer wieder stelle ich fest, dass deutschsprachige Foursquare-Nutzer stolz verkünden, sie seien jetzt “Major” statt “Mayor”. Die Verwechslung kommt natürlich dadurch, dass sich die beiden Wörter sehr ähnlich sind und würde man sie nach deutschen Ausspracheregeln aussprechen, klängen sie gleich – nämlich wie Major. Dass sich die beiden Wörter zum Verwechseln ähnlich sind, ist natürlich kein Zufall. Beide haben dieselbe Wurzel und gehen auf das lateinische maior zurück, was in etwa so viel wie höher heißt, und sind über das Französische ins Englische gewandert:

  1. Major
    Der Major in der Bedeutung des militärischen Dienstgrades wurde in den 1640ern 1:1 übernommen. Lediglich die Aussprache hat sich eben entsprechend angepasst.
  2. Mayor
    Wurde bereits im 14. Jahrhundert verwendet. Das Wort leitet sich vom Französischen maire ab, welches damals wahrscheinlich noch in der Form mayeur, einer Variante, die heute noch in Belgien verwendet wird, existierte.

Das Deutsche hat das lateinische maior auch auf zwei unterschiedliche Weisen importiert. So geht auch das deutsche Wort Meier geht auf maior zurück. Der Meier, der heutzutage nur noch in dutzenden verschiedenen Schreibweisen als Nachname bekannt ist, war früher ein Verwaltungsbeamter. Das Wort wurde aus der auf Latein verfassten Lex Salica in die Umgangssprache übernommen, weil es im Deutschen keine passende Entsprechung für diesen lateinischen Begriff gab und hat sich so im Laufe der Zeit eingedeutscht. Die Häufigkeit mit welcher dieser Nachname heute in Deutschland auftritt, zeigt nur, dass die Deutschen schon immer Bürokraten waren. ;-)
Nun möchte man annehmen, dass das Deutsche den militärischen Dienstgrad Major so wie das Englischen ebenfalls aus dem Französischen übernommen hat, doch dem ist nicht so. Das Deutsche leitet sich vom Spanischen mayor ab und wurde im 16. Jahrhundert übernommen.

Doch nun noch mal auf den Ausgangspunkt zurück: Wenn ihr stolz verkünden wollt, dass ihr jetzt Mayor sind, dann denkt einfach an den Meier damit das y die korrekte Aussprache trifft.

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So hat man in der Bahn immer einen Doppelsitz für sich alleine

Gestern saß ich in der Bahn direkt neben zwei Plätzen für Behinderte. Darauf hat ein junges Mädchen gesessen, das nicht im entferntesten behindert aussah. Immer wenn jemand vorbei kam und fragte, ob der Platz noch frei sei, sagte sie: “Das ist ein Behindertenplatz.” Die Reaktion der Leute war, dass sie sich peinlich berührt entschuldigten und weiter nach einem freien Platz suchten. Jedenfalls hat sich keiner getraut, sich auf diesen Platz zu setzen. Behindertenplätze heißt ja nicht, dass man sich dort nicht hinsetzen darf. Man muss den Platz eben nur frei machen, wenn ein Behinderter vorbei kommt. Aber offensichtlich gingen sie davon aus, dass das Mädchen behindert ist und sie schämten sich dafür, dass sie es nicht gemerkt haben. Mindestens 10 Leute haben in der vierstündigen Zugfahrt gefragt und keiner setzte sich hin.

Ich habe das schon häufiger versucht: Wenn Leute mich fragen, ob der Platz neben mir noch frei ist, dass ich Nein gesagt habe. Das nennt man wohl lügen. Aber die meisten Leute riechen den Braten und fragen dann, wer denn da sitzt. Die Frage ist nur rhetorisch und die Knigge sagt, dass man eben so freundlich sein muss und erst einmal fragt, bevor man sich ganz einfach hinsetzt. Da ich mich dann auf frischer Tat ertappt fühle, willige ich dann doch ein, dass sich dieser – Parasit ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir dazu einfällt – dort hinsetzen darf.

Aber das, was dieses Mädchen da gemacht hat, das nennt man wohl neuerdings wulffen: Nicht lügen, aber auch nicht ganz die Wahrheit sagen. Die Wahrheit wäre nämlich gewesen: “Ja, er ist frei, aber sie müssen den Platz räumen, falls ein Behinderter kommt.” Einfach nur genial, wenn man seine Ruhe haben will. Das muss ich mir für die nächste Zugfahrt merken!

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